Das Ei

Veröffentlicht am 1. Aug 2005 / Liedermacher, Schriftsteller

Schon immer habe ich bei Strom & Wasser Umweltzerstörung thematisiert. „Das Ei“ versucht es beinahe kabarettistisch. Zum Einen wollte ich Pensen, der ja auch ein guter Sänger ist, etwas mehr Raum geben, zum anderen die Möglichkeiten eines Dialogs ausschöpfen, was ja gerade in Duobesetzung wunderbar möglich ist – vor allem aber wollte ich diese unendliche Klugscheißerei darstellen, die ja alle wichtigen politischen Themen leider begleitet, bei denen oft die Dringlichkeit des Handelns von einer Mischung aus Geschwätz und Selbstdarstellung erdrückt wird.

In diesem Fall trifft ein junger Gymnasiastenschnösel, der eigentlich nur Party im Kopf hat, auf einen apokalyptischen Mahner, einen düsteren Propheten… aus ihrer Begegnung entsteht ein wahrer Eiersalat aus ernster Sorge, leerem Gerede, coolen Sprüchen und philosophischer Weisheit. Musikalisch zwischen Rockbalade und Ska war das in den frühen Jahren ein oft gespieltes und beim Publikum immer sehr beliebtes Lied. Wir spielen es in letzter Zeit nur selten, ich bin mir nicht mal sicher, ob ich mich überhaupt noch 100% an den Basslauf erinnere…


Ich bin ein Kerl von 18 Jahren, hab‘ wunderschöne Beine.
Und der ganze Schweinekram passiert hier von alleine.
Wo ich auch geh‘ und steh‘, beginnen sofort Partys.
Mein Blick zündet Frauen an, mein Kuss ist smart wie Smarties.

Das ich in Sachen Umweltschutz nichts tue ist nicht wahr,
ich kenne erstens Greenpeace gut und zweitens die Gefahr.
Ich hab‘ was gegen Industrie und Männer die gleich schießen
und hab auch schon für Afrika zehn Euro überwiesen.

Doch plötzlich Sonntag Nachmittag vor einem Fest,
kommt n Typ, der sich nicht abwimmeln lässt.

„Die Erde,“ sagt der Mann, „ist nur ein Ei,
paar Jahre noch dann bricht sie glatt in Zwei,
heraus schlüpft eine Riesenkreatur,
mit einer ganz fantastischen Frisur.“

„Der Schimmel der das Brot bedeckt, der denkt,
das Brot sei ihm von einem Gott geschenkt,
die Erde sei, so denkt der Mensch ja auch,
zu seinem ganz persönlichen Gebrauch.

Wir aber sind,“ so sagt der alte Mann zu mir,
„ne Nebenrolle, irgend so’n Tier,
das auf der Schale parasitisch lebt.“
Ob ich nicht spüre, wie die Erde bebt?

Eiersalat
Eiersalat

Ich wimmelte den Typen ab, der war ja wohl auch Scheiße.
Diese ganzen Irren hier, die haben doch ’ne Meise.
Hab ich die Welt zur Welt gemacht und mich für Krieg entschieden?
Hab ich die Wälder umgebracht? – Dann lass mich doch in Frieden.

Ich hab mal im Gymnasium echt klasse referiert,
über Tierversuchanstalten, jeder hat’s kapiert.
Doch andererseits bin ich denn Schuld an diesem ganzen Mist?
Wenn sich die Welt nicht ändern lässt, bleibt sie halt wie sie ist.

Doch der Irre läuft mir nach und er labert mich voll,
dass ich nach seiner Meinung besser nachdenken soll.

„Die Erde,“ sagt der Mann, „ist nur ein Ei….
usw.

„Der Regen dient dazu,“ sagt er, „die Kruste aufzuweichen,
die Sonne brütets aus und bald gibt es nur noch Leichen.“
Ob ich es nicht schon spüren kann: es zittern selbst die Uhren,
die letzte Stunde schlägt uns bald und allen Kreaturen!“

Ich sag zu ihm: Proffesorchen, da drüben läuft ’ne Fete!
Ich fänd das äußerst ungeschickt, wenn ich mich da verspäte.
Du hast sicher Physik studiert und bist ein großer Geist,
doch ich bin mal einer, der auf große Geister scheißt.

Da sagt der Penner: „Junger Freund ich will dich nicht aufhalten,
Nur pass schön auf und falle nicht in eine dieser Spalten!“

„Die Erde,“ sagt der Mann, „ist nur ein Ei