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Der „moralische Triathlon“: 3te Etappe

Heinz Ratz zu seiner Motivation

Wir leben in einer Welt, die eine scheinbar sichere ist: Die großen Probleme haben wir weit fort geschoben, weit hinter die Landesgrenzen. Sie beginnen, wo Europa endet: Kriege, Folter, Seuchen, Hungersnöte, Sklaverei – das kennen wir nur in der Theorie, da beruhigen wir uns selbst mit monatlichen Spenden hier und da. Doch unsere sichere Welt endet, wenn wir aus der Haustüre treten und einen obdachlosen Bettler sehen. Sie endet, wenn tausend Neonazis Parolen dreschend unter unserem Balkon entlang marschieren. Dann sehen wir die Welt plötzlich maskenlos. Spürbar ist eine zunehmende Verhärtung innerhalb der Gesellschaft, die Rücksichtslosigkeit und Kalkül belohnt – und ein mangelndes Mitgefühl für alle „Verlierer“, seien es Völker oder Einzelpersonen. Dabei sind es eben jene Verlierer, die unser sicheres Leben ermöglichen. Die Probleme wären lösbar, wenn wir nur die Nase über die Grenzen unserer Stammtische und Länder und Kulturkreise schöben, wenn wir endlich mal miteinander statt immer nur gegeneinander arbeiten würden. Ein friedliches Miteinander der Kulturen und Religionen wäre unbedingt nötig. Ich bin sicher, die meisten von uns würden nicht mit einem Achselzucken über dieses Elend hinweggehen – könnten wir es sehen! Aber wir sehen es nicht – es ist zu weit weg von unserer Karriere, unseren Vergnügungen, unserem ganzen selbstzufriedenen Leben.

Was können wir tun?

Spätestens hier stellt sich die Frage: was können wir tun? Und sofort tönt der Chor aus tausend Pessimisten: es gibt zu viele Menschen! Es gibt zu wenig Arbeit! Und überhaupt ist der Mensch schlecht und schlimm! Aber es liegt nicht am fehlenden Können. Diese Welt wurde so von uns gestaltet. Sie zu verändern liegt ebenfalls in unserer Macht. Die Frage muss daher lauten: was wollen wir tun? Wie groß ist unsere Bereitschaft, das eigene Glück mit dem Leid eines anderen zu erkaufen, und: wie sehr sind wir bereit, uns durch Selbsttäuschung von dieser Tatsache ablenken zu lassen? Die Welt könnte ein Paradies sein – wenn wir es wollten! Ich möchte versuchen, einen Anfang zu machen. Und diesen Anfang beim Allerselbstverständlichsten suchen, das ich kenne: der Gastfreundschaft!

Das Prinzip der Gastfreundschaft

Deutschland ist ein sehr reiches Land. Wir sollten den Flüchtlingen und Notleidenden anderer Länder freundlich begegnen. Wir sollten sie mit Achtung und Mitgefühl empfangen, denn sie haben oft unvorstellbares Leid hinter sich. Und wir sollten nicht mit ihnen umgehen wie mit Kriminellen. Denn welche Straftat haben sie begangen: vor Bomben fliehen? Der Folter entkommen? Ihre Kinder vorm Verhungern retten? Stattdessen reissen wir gnadenlos Familien auseinander, sperren sie in Baracken und Lager, verhindern den Umgang mit der Bevölkerung, gestatten ihnen keine Bewegungsfreiheit. Wenn Kriege und Hungersnöte Menschen voller Verzweiflung bis an unsere Grenzen treiben, dann sperren wir sie in Lager, behandeln sie schlecht, misshandeln sie sogar und weisen sie aus – in ein Leben, das in vielen Fällen zu Tod, Prostitution oder Verelendung führt. Trotzdem: ich glaube, dass wir ein gastfreundliches Land sind. Ich glaube auch, dass wir aus den dunklen Kapiteln unserer Geschichte gelernt haben. Ich glaube, dass wir menschlicher handeln würden, wenn wir nicht so geblendet wären! Und deshalb möchte ich dem Thema ein Gesicht geben. Ich möchte, dass sich beide Seiten kennen- und schätzen lernen und Brücken bauen zum Herzen – der Gastgeber und der Gast. Unabhängig von Kultur, Sprache, Hautfarbe und Religion: die „Tour der tausend Brücken“.

Die Tour der 1.000 Brücken

960 km Laufen, 850 km Schwimmen und 7000 km Radfahren – der “moralische Triathlon” des Liedermachers Heinz Ratz geht in die dritte und entscheidende Etappe.

Was zunächst nach einem sportlichen Rekordversuch der Superlative klingt, hat einen durchaus ernsten und politischen Hintergrund: denn Ratz läuft und schwimmt und radelt nicht nur, er gibt während seiner Touren jeden Abend Konzerte, sammelt Spenden und thematisiert Wahrheiten, die gerne hinter die blankpolierten Fassaden der Gesellschaft weggedrückt werden.
Ob es Obdachlosigkeit, Artenschutz oder wie jetzt: einen menschlichen und gerechten Umgang mit Flüchtlingen betrifft: die allabendlichen Konzerte und der sportliche Rahmen dienen in jedem Fall einem Aufrütteln, Stellungnehmen und einer konkreten Unterstützung für Natur und Mensch.

Das für Ratz wichtigste Thema beginnt er in enger Zusammenarbeit mit Pro Asyl und den deutschen Flüchtlingsräten in seiner “Tour der tausend Brücken”: das Miteinander von Kulturen und Religionen, ein respektvoller und menschenwürdiger Umgang mit Notleidenden und Flüchtlingen anderen Nationen und ein klares Nein zu Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Ratz, der als Kind selbst den Nahostkonflikt und später den peruanischen Bürgerkrieg miterleben mußte, will nicht nur die Flüchtlingslager besuchen und deren Bewohner einladen, abends gemeinsam mit seiner Band “Strom & Wasser” zu musizieren, er baut auch auf den Rückhalt vieler Kollegen, die bereits seine beiden anderen Triathlon-Etappen unterstützten: Konstantin Wecker war dabei, Götz Widmann, Stoppok, aber auch die Kabarettisten Bodo Wartke, Gerburg Jahnke, Jochen Malzheimer und viele mehr! Die Rundfahrt, die am 06.01. in München begann und am 04.04. in München wieder endete, machte Station in fast 70 deutschen Städten.
Die Abendeinnahmen gingen an PRO ASYL und die lokale Flüchtlingsarbeit.

Mehr zu lesen gibt es im Tourtagebuch

 

Das Fazit 2011

7.000 km Radfahren waren das Ziel
Nun spielen wir doch mal durch, was dann passieren würde.
Was tun, wenn wir krank sind oder unsere Kinder
Wir sind immer noch in Wunsiedel
Ich war dann trotzdem in Gerstungen.
Daß es auch anders geht, möchte ich auch betonen.
Was konnten wir bewirken?
Die Spenden.
Wir konnten helfen.
Wie geht es weiter?
Die Organisationen
Die Künstler
Mein „Team“
Danke
 

Momentaufnahmen aus der Etappe nach Jena (25.02.11)