Die große Sommer-Floßtour
für und mit Flüchtlingsfrauen

Es war wohl unser abenteuerlichstes Projekt, als wir 2012/2013 trotz Reise- und Arbeitsverboten mit Musikern aus Flüchtlingslagern auf Tour gingen. Einen Punkt allerdings habe ich dabei immer sehr bedauert, nämlich die Männerlastigkeit des Projektes. Mehr als 150 Flüchtlingslager haben wir mittlerweile besucht und mussten feststellen, dass die Haupt-Leidtragenden sehr oft die alleine oder mit ihren Kindern fliehenden Frauen sind, die jedoch gleichzeitig eine große Scheu haben, an die Öffentlichkeit zu treten.


Aus diesem Grund haben wir das Thema noch ein letztes Mal im großen Stil aufgenommen:
Am 14.07. sind wir mit zwei großen Flößen aufgebrochen, umgestaltet zu Flüchtlingsbooten, die uns und eine Begleitcrew aus Flüchtlingen und deutschen UnterstützerInnen – so zum Beispiel der Potsdamer Verein „Women in Exile e.V. – Main-, Neckar- und Rheinabwärts und dann entlang des Mittellandkanals bis nach Berlin führten.
Die Verletzlichkeit dieser Transportmittel in direktem Kontrast zu den Luxusjachten und Ausflugsdampfern der touristisch genutzten Binnengewässer hat auf die dramatische Situation von Flüchtlingen allgemein, und die abendlich stattfindenden Konzerte auf die besonders tragische und bedrohliche Situation von fliehenden Frauen und Kindern aufmerksam gemacht.


Es hat auch ein Rahmenprogramm in den Flüchtlingsunterkünften stattgefunden: PuppenspielerInnen und Clowns haben die Lager nachmittags besucht und mit einem Kinderprogramm etwas Farbe in den Alltag gebracht. Neben der Floßfahrt liegt der Schwerpunkt der Tour dann abends auf den Konzerten; zum einen auf der Begegnung zwischen deutschem Publikum und Flüchtlingsfrauen, zum anderen auf der informativ-aufklärenden Zusammenarbeit mit politischen Flüchtlingshilfegruppen. Viele solidarische deutsche Künstlerinnen, wie z.B. Dota Kehr oder Christina Lux sind mit uns auftreten, und sind auch in den Lagern Musikerinnen aus aller Welt zu begegnet, die mit uns gemeinsam musiziert haben.

Ich glaube, es war nicht nur eine politisch sehr wichtige, sondern auch zwischenmenschlich sehr schöne Tour.

Mehr zu lesen gibt es im Fluchtschiff-Tagebuch