Herzwäsche

Veröffentlicht am 4. Nov 2016 / Hören, Liedermacher

„Ich hatte gar nicht vor, eine neue CD zu machen. Aber ich spürte: da brodelt genug im Herzen, um es frei zu lassen. Als dann das Tonstudio überraschend einen Termin anbot, nahmen wir die Gelegenheit war und spielten das neue Album ein.“ Soweit Heinz Ratz zur etwas überfallartigen Veröffentlichung von Herzwäsche. Immerhin ist erst Anfang des Jahres seine CD Reykjavik mit isländischen Musikern erschienen. Dass Ratz angesichts der politischen Ereignisse in Deutschland nicht viel länger schweigen würde, war indes zu erwarten. Schon 2006 hatte er bei einer gemeinsamen Tournee mit Konstantin Wecker auf die wachsende Neonazi-Szene aufmerksam gemacht. Damals stieß ihr Engagement in bestimmten Kreisen auf Ablehnung. So sagte der Landrat in Halberstadt auf Druck der NPD das Konzert der beiden Künstler ab. In Hoyerswerda erklärte man, keine Neonazis mehr in der Stadt zu haben. Nun reanimieren Ratz und Wecker ihren Kampf gegen Rechtsradikalismus und weiten ihn aus.
Ratz und seine Band Strom & Wasser beziehen wieder mal entschieden Stellung und lassen es musikalisch heftiger denn je krachen. Harsche Riffs und treibende Beats vermitteln zusammen mit Ratz‘ insistierend herausgestoßenen, manchmal theatralisch intonierten Zeilen mehr als nur Entschlossenheit. Eine gewisse Wut im Bauch ist offenkundig und soll auch nicht kaschiert werden. Für Abwechslung und Kontraste sorgen Ska- und Reggae-Rhythmen, Disco- und Folk-Anklänge, Funk-Bass und -Saxophon oder kantige Cello-Phrasen. Ebenso ein Musette-Akkordeon, das sich an überraschenden Stellen einmischt. Selbstverständlich weiß das Kern-Quintett mit seinen diversen Gästen Dynamik zu erzeugen. Etwa in jähen Breaks oder dem Wechsel von eruptiven Refrains und ruhigeren Strophen. In manchen zurückgenommenen Passagen, etwa im Song Schönheit in A-(lt)-Dur, kann Ratz‘ Raustimme sogar einen zärtlichen Tonfall annehmen.

Verglichen mit anderen Liedermachern sind Heinz Ratz und Strom & Wasser Rocker. Ihr Mix aus bissigen Texten und Partygrooves ist speziell. Mancher kabarettistische Ulk zeigt Humor, gnadenlose Abrechnungen mit reaktionären und rassistischen Auswüchsen der Gesellschaft bringen Unbehagen deutlich auf den Punkt.
Sie haben simple Worte
und ein konsequentes Wesen
die Weisheit hinterm Rednerpult,
klang gestern hinterm Tresen!

Dazwischen findet Ratz aber auch poetische Zeilen:
Die feinen Blumen spielen keine Rolle,
sie stehen abseits, schön und unbestimmt,
zartgliedrige und farbenvolle
Blattseide oder Blütenwolle –
während das Unkraut sich den Garten nimmt.

 


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